Von Hirschkäfern besiedelter Stubben
Von Hirschkäfern besiedelter Stubben in einem Biergarten (2013). Im Vordergrund sind zahlreiche frische Schlupflöcher erkennbar
Ausgefräster Stubben
Dieselbe Stelle im Sommer 2014: Stubben inzwischen ausgefräst. Gründe? Unbekannt.

Natürliche und menschgemachte Gefährdungen

Dass der Hirschkäfer selten geworden ist, ist nicht allein Schuld des Menschen. In Mittel- und Nordeuropa führt ein natürlicher Prozess dazu, dass viele - selbst naturnahe - Wälder für den Hirschkäfer immer weniger geeignet sind: die zunehmende natürliche Ausbreitung der Buche. Buchenwälder sind so schattig, dass der Käfer hier schlechter werdende Lebensbedingungen hat.

Dieser Faktor wird allerdings von einer ganzen Reihe menschgemachter Störungen verschärft, z.B.

  • Auswirkungen der Forstwirtschaft: jahrzehntelang wurden in Wäldern Stubben von Laubbäumen beseitigt, wodurch Lebensstätten verloren gingen. Forstliche Monokulturen mit Konzentration auf schnellwüchsige Baumarten (oft Nadelbäume) vernichteten die Lebensräume. Allerdings: fast überall in Deutschland gibt es inzwischen sehr erfreuliche, gegenläufige Entwicklungen in der Forstwirtschaft, so dass dieser Gefährdungsfaktor inzwischen abnimmt.
  • Zerstörung von Flussauen: Viele Auenwälder in Deutschland - sofern es sie überhaupt noch gibt - werden auf Grund von Hochwasserschutzmaßnahmen nicht mehr (regelmäßig) überflutet (Hirschkäferlarven überstehen Überflutungen oft). Die fehlenden Fluten führen dazu, dass sich die Waldstruktur dieser Wälder verändert: durch zunehmende Dominanz von Ahornarten (Berg- und Spitzahorn) werden diese Wälder immer schattiger und für Hirschkäfer ungeeignet.
  • Unzureichende Bewirtschaftung von Wild: Größter Feind des Hirschkäfers in Mitteleuropa ist das Wildschwein. Die Kombination von verbessertem Nahrungsangebot (z.B. Maisfelder am Waldrand), milden WIntern und unzureichender Bejagung der Wildschweine) hat zu überhöhten Wildschweinbeständen geführt. WIldschweine können die unterirdisch lebenden Hirschkäferlarven riechen. Sie graben die bis zu 10 cm großen Larven gezielt aus und fressen sie.
  • Beseitigung von Stubben in Siedlungsbereichen und entlang von Straßen: Das Ausfräsen von Stubben verursacht Kosten - deshalb ist oft nicht klar, weshalb es überhaupt gemacht wird. In Siedlungsbereichen spielt vermutlich falsch verstandener "Ordnungssinn" eine Rolle, in Parks oft auch spezielle Parkentwicklungskonzepte. Die Begründung, dass neue Bäume exakt an derselben Stelle wieder zu pflanzen seien, ist im Regelfall auch nicht stichhaltig. Zumindest gehen auf diesem Wege nach wie vor ständig Lebensstätten des Hirschkäfers verloren.