Bewohner alter Wälder und Kulturfolger

Klassischerweise lebt der Hirschkäfer in lichten, alten Wäldern; häufig mit Eichen. Enscheidend ist, dass er in diesen Wäldern geeignete Strukturen findet, in denen sich seine Larven entwickeln können: Baumstubben, tote Wurzeln alter Bäume und liegendes Totholz.

Da sich die Larven des Hirschkäfers unterirdisch (cq. 10-80 cm unter der Oberfläche) entwickeln, ist eine bestimmte Wärmemenge (Temperatursumme) im Laufe ihrer Larvenzeit nötig, um die Entwicklung beenden zu können. In südlicheren Regionen ist dies in fast allen Laub- und Mischwäldern gegeben. In Mittel- und Nordeuropa ermöglichen allerdings nur lichte Wälder die nötigen Temperaturen. Schattige Wälder (v.a. Buchenwälder oder von Ahornarten dominierte, gestörte Auenwälder) sind oft zu kühl für den Hirschkäfer.

Richtig wohl fühlt sich der Hirschkäfer in Deutschland jedoch in offenen oder halboffenen Kulturlandschaften, zum Beispiel in halboffenen Weidelandschaften oder Streuobstwiesen. Als Kulturfolger konnte sich der Käfer inzwischen auch Siedlungsbereiche erschließen: hier lebt er immer öfter in Obstgärten, Parks, Friedhöfen oder Alleen. Ob allerdings diese Siedlungsbiotope ausreichen, um die Art vor dem AUssterbenh zu bewahren, muss die Zukunft zeigen. Noch ist der Käfer gefährdet.

Weißfaules Holz unter der Erde

Hirschkäferlarven fressen an weißfaulem Holz unter der Erde. Natürlicherweise finden sie das an toten Wurzeln von Stubben und alten oder abgestorbenen Laubbäumen. Doch auch hier erweitert sich die Liste der Möglichkeiten sukzessive: auch Zaunpfähle, Holzbalken und Pflöcke aus Eichenholz werden besiedelt, selbst unter Holzbänken und -tischen im Wald und in Parks werden Hirschkäferlarven gefunden. Nachweise gibt es selbst an alten Bahnschwellen (ursprünglich imprägniert!), die als Zaunpfähle genutzt werden. Erste Nachweise von Hirschkäferlarven gibt es inzwischen selbst aus Hackschnitzeln (wenn sie auf der Erde liegen) und Komposthaufen.

Halboffene Weidelandschaften Halboffene Weidelandschaften
Halboffene Weidelandschaften Halboffene Weidelandschaften
Halboffene Weidelandschaften Lichte Eichenwälder
Halboffene Weidelandschaften Lichte Eichenwälder
Streuobstwiesen Friedhöfe
Streuobstwiesen Besiedelter Buchenstubben auf einem Friedhof
Biergarten mit alten Eichen und besiedelten Stubben Holztisch und -bank
Biergarten mit alten Eichen und besiedelten Stubben Holztisch und -bank, darunter leben Hirschkäferlarven
Besiedelter Stubben in einem Eichenwald Besiedelte Wurzeln einer noch lebenden Buche auf einem Friedhof
Besiedelter Stubben in einem Eichenwald Besiedelte Wurzeln einer noch lebenden Buche auf einem Friedhof