Jaegersborg DyrehaveÜbersichtskarte des Ansiedlungsgebietes Jægersborg Dyrehave.
Eindruck des FreisetzungsgebietesLockerer Wald im Ansiedlungsgebiet. 
Jaegersborg Dyrehave
Lockerer Wald im Ansiedlungsgebiet.
Stubben in Jaegersborg Dyrehave
Stubben im Ansiedlungsgebiet.
Auswahl der Strukturen im Ansiedlungsgebiet.
Auswahl der Strukturen im Ansiedlungsgebiet.
Quellstruktur
Eichenpfähle eines Waldtheaters in Brandenburg: dicht von Hirschkäfern besiedelt.
Frisch geschlüpftes Männchen an den Eichenpfählen des Waldtheaters.
Frisch geschlüpftes Männchen an den Eichenpfählen des Waldtheaters.
Angegrabener Stubben
Angegrabener Stubben zur Larvensuche.
Hirschkäferlarve zur Umsiedlung nach Dänemark.
Hirschkäferlarve zur Umsiedlung nach Dänemark.
Frisch geschlüpfter Hirschkäfer auf einem Friedhof.
Frisch geschlüpfter Hirschkäfer auf einem Friedhof.
Transportbox mit Hirschkäferlarve.Transportbox mit Hirschkäferlarve.
Ansiedlungsvoliere. Im Vordergrund ein Informationsschild des Dänischen Umweltministeriums.
Ansiedlungsvoliere. Im Vordergrund ein Informationsschild des Dänischen Umweltministeriums.
Freisetzung eines (in diesem Fall aus Polen stammenden) Hirschkäfers.
Freisetzung eines (in diesem Fall aus Polen stammenden) Hirschkäfers. Foto: Niels Damm.
Medienbegleitete "offizielle" Freisetzung von Hirschkäfern durch die Dänische Umweltministerin.
Medienbegleitete "offizielle" Freisetzung von Hirschkäfern durch die Dänische Umweltministerin. Foto: Niels Damm.
Paarung freigesetzter Hirschkäfer in einer Voliere direkt am Futter.
Paarung freigesetzter Hirschkäfer in einer Voliere direkt am Futter.
Freisetzung einer erwachsenen Larve.
Freisetzung einer erwachsenen Larve.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

waren Hirschkäfer in den meisten Regionen von Dänemark bekannt und an einigen Orten nachgewiesenermaßen sehr häufig. Hirschkäfervorkommen sind beispielsweise von der Insel Seeland bekannt, wo der letzte gesicherte Nachweis aus dem Jahr 1873 stammt. Die nördlichen und südlichen Teile von Jütland wurden früher wenig untersucht bzw. Daten fehlen gänzlich. Die Art ist jedoch aus einer Anzahl von Orten im zentralen und östlichen Teil von Jütland bekannt. Der letzte Nachweis des Hirschkäfers in Jütland stammt aus dem Jahr 1939. Der letzte Nachweis in Dänemark erfolgte auf einer kleinen Insel nördlich von Fünen, wo die Art bis 1952 vorkam. Das lokale Aussterben ist möglicherweise auf die (künstliche) Erhöhung des Prädatorendruckes durch Fasane zu jagdlichen Zwecken durch den Eigentümer zurückzuführen.

In der Mehrheit der dänischen Wälder wurde 1805 die Beweidung verboten und stattdessen gefordert, dass Waldbesitzer Bäume pflanzen bzw. ihr Nachwachsen nach dem Hieb ermöglichen sollten. Die Bewirtschaftung der Wälder wurde intensiviert und dahingehend verändert, dass während der letzten 150 Jahre einheitliche Bestände gleicher Altersklassen entstanden. Die wichtigsten Bedrohungen für Hirschkäferlebensräume in Dänemark sind seither die Entfernung von Totholz und Stubben im Rahmen der Waldbewirtschaftung, das Aufkommen hochwachsender Bäume und die damit verbundene Beschattung alter Eichen sowie der Ersatz von Laubmischwäldern durch Nadelholzforste.

Die Änderung der Bewirtschaftung der dänischen Wälder von offenen, lichten Weidewäldern zu hoch ertragreichen, monotonen und schattigen Wäldern führte zum Schwund der Lebensräume des Hirschkäfers. Das Verhindern von Totholz auf einem hellen, offenen Waldboden wird als Hauptgrund für das Aussterben des Hirschkäfers in Dänemark angenommen.

Die Wiedereinbürgerung des Hirschkäfers in Dänemark wurde durch das dänische Parlament beschlossen. Ziel der Wiedereinbürgerung ist es, die Verbreitungslücke des Hirschkäfers am Nordwestrand seines Verbreitungsgebietes zu schließen. Mit der Wiederansiedlung des Hirschkäfers in Dänemark wird aus europäischer Sicht die Kohärenz des für diese Tierart ausgewiesenen NATURA 2000-Netzwerks deutlich verbessert.

Die IUCN hat den Hirschkäfer als stark bedroht gelistet. Es wird angenommen, dass die Art in einem großen Teil ihres europäischen Verbreitungsgebietes abnimmt; sie ist daher in 12 europäischen Ländern als gefährdet oder bedroht eingestuft. Auch im nördlichen Verbreitungsgebiet in Schweden ist die Verbreitung des Hirschkäfers rückläufig. Somit sind Maßnahmen zur Verbesserung des Erhaltungszustandes der Art erforderlich.

Die Wiedereinbürgerung des Hirschkäfers wird als ein wichtiger Faktor für Diskussionen über die Entwicklung und das Management von Laubwäldern und einzelnen Bäume zu Gunsten von seltenen, insbesondere totholzbesiedelnden Insektenarten angesehen. In Dänemark hat die vorgesehene Wiederansiedlung bereits die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregt. Die Art dient in Dänemark als „Botschafterart" für eine Sensibilisierung hinsichtlich der Bedeutung von Totholz als Lebensraum für eine große Zahl landes- bzw. europaweit bedrohter Tierarten. Zusätzlich ist die halboffene Waldstruktur, von der Hirschkäfer abhängig sind bzw. die zahlreiche weitere Tierarten begünstigt, Teil des dänischen Kulturerbes, das inzwischen in der dänischen Landschaft zunehmend verloren gegangen ist.

Die Wiedereinbürgerung des Hirschkäfers in Jægersborg Dyrehave ist als erster Schritt in einem Prozess anzusehen, da sich auch weitere staatliche Wälder in Dänemark gegenwärtig in Restaurierung befinden und bereits einem Management im Hinblick auf die Sicherstellung geeigneter Lebensräume für den Hirschkäfer unterliegen.

Auswahl der Spendergebiete

Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl von Spendergebieten ist eine größtmögliche Ähnlichkeit mit den ehemaligen dänischen Hirschkäferhabitaten.

Die Wiederbesiedlung der Hirschkäfer in Nordeuropa nach der letzten Eiszeit ging von nur wenigen südosteuropäischen Refugien aus. Es wird daher angenommen, dass die genetische Differenzierung zwischen den nordeuropäischen Populationen klein und die genetische Ähnlichkeit zwischen den Ländern groß ist. Aus genetischer Sicht scheint es daher gerechtfertigt Hirschkäfer aus den Nachbarländern Schweden, Deutschland und Polen nach Dänemark einzuführen. Dabei ist es wichtig, dass die Spendergebiete vor allem hinsichtlich Klima und Waldstruktur dem dänischen Wiederansiedlungsgebiet möglichst ähnlich sind.

Die Oberste Dänische Naturschutzbehörde ist gemeinsam mit Experten zu dem Schluss gekommen, dass für eine Wiedereinbürgerung des Hirschkäfer vorzugsweise Tiere aus Nordostdeutschland, Westpolen und Südschweden geeignet sind, da die Lebensräume der Hirschkäfer in diesen Bereichen ähnlich den ehemaligen dänischen Vorkommensgebieten sind.

Für Deutschland kommen aus dem genannten Grund nur Populationen aus Nordostdeutschland in Frage. In Nordwestdeutschland kommt der Hirschkäfer kaum bzw. nicht vor. Populationen in Südwestdeutschland sind klimatisch anders geprägt, was den Ansiedlungerfolg gefährden könnte. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Hirschkäfer aus Nordostdeutschland zur Unterstützung der Wiederansiedlung einer starken Population in Jægersborg Dyrehave gut geeignet sind.
Gleichzeitig muss die Entnahme in einzelnen Populationen so weit beschränkt werden, dass keine einzelne bestehende Spenderpopulation dadurch nachhaltig geschädigt wird. Aus diesem Grund sollen die Entnahmen so weit wie möglich räumlich über Nordostdeutschland, Polen und Südschweden verteilt werden.

Ferner wurden Spenderpopulatiuonen in Südschweden und Westpolen in das Projekt einbezogen.

Rechtliche Grundlagen für Deutschland

Seit der Verabschiedung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft haben die Mitgliedsstaaten nach Artikel 3 Schutzgebiete als Teile des kohärenten ökologischen Netzes „Natura 2000" auszuweisen. Diese Schutzgebiete dienen der Erhaltung von Lebensräumen nach Anhang I sowie Arten nach Anhang II der genannten Richtlinie.

Eine der in Anhang II aufgeführten Arten, der Hirschkäfer (Lucanus cervus L., 1758), ist in Dänemark vermutlich seit 1959 ausgestorben. Damit klafft im Umfeld der Ostsee eine Verbreitungslücke zwischen deutschen und polnischen Vorkommen sowie den Vorkommen in Südschweden, wo sich die Käferart ebenfalls auf zunehmend kleinere Vorkommensgebiete konzentriert. Es ist nicht bekannt, welche Hirschkäfer aus den drei Spenderstaaten die besten Anpassungsmöglichkeiten im Wiederansiedlungsgebiet Jægersborg Dyrehave haben. Indem Hirschkäfer aus allen drei Ländern (Deutschland, Polen, Schweden) eingeführt werden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, eine stabile und selbst reproduzierende Population zu etablieren.

Bei einem Wiederansiedlungsprojekt kann nicht Ziel sein, die Spenderpopulationen zu schädigen. Gleichzeitig ist die vom Bundesamt für Naturschutz vorgeschlagene (SCHNITTER et al. 2006) und in den Bundesländern umgesetzte Erfassungs- und Monitoringmethodik fachlich in hohem Maße umstritten. Die bislang verwendete Methodik stellt ausschließlich auf gefundene Imagines ab, die aber nur sehr unzureichend die tatsächliche Populationsgröße widerspiegeln. Die Größe minimal überlebensfähiger Populationen wurde bislang nicht untersucht. 

Die tatsächlichen Populationsgrößen sind offensichtlich erheblich größer. Populationsökologische Grundlagenarbeiten, etwa vergleichbar mit denen zum Eremit (Osmoderma ermita), liegen bislang nicht vor. Aus vorhandenen Quellen lassen sich bislang folgende relevante Angaben entnehmen, die Hinweise auf tatsächliche Populationsgrößen geben können. Publizierte Zahlenangaben machen deutlich, dass die Zahl der Hirschkäfer in einer Population größer ist, als an Hand zufällig beobachteter Imagines feststellbar. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die mittlere Zahl abgelegter Eier nur bei 24 (15-36) lieg), demnach also größere Larvenansammlungen stets Nachkommen zahlreicher Weibchen sein müssen.

Zur Beschränkung des Eingriffs in einzelne Populationen wurden folgende Einschränkungen vorgenommen:

  • Verzicht auf die Entnahme der empfindlichen L1.
  • Abstimmung der Zahl anzugrabender Stubben und zu entnehmender Larven mit den zuständigen Behörde bzw. deren Beauftragten.
  • Beschränkung der Zahl anzugrabender Stubben auf 3-4 pro Gebiet.
  • Laufende Kontrolle der beköderten Eklektorfallen zur Vermeidung unbeabsichtigter Verluste unter den gefangenen Imagines.
  • Sehr zeitnahe Information der zuständigen Behörden über getätigte Entnahmen, um erforderlichenfalls kurzfristig Entscheidungen treffen zu können.

Auswahl und Evaluierung des Wiederansiedlungsgebietes

Jægersborg Dyrehave wurde als das am besten geeignete Gebiet für eine Wiederansiedlung des Hirschkäfers in Dänemark bewertet. Gründe sind seine Größe, der lange und kontinuierliche Bestand eines ehemals beweideten Eichenwaldes und das Management zur Sicherung eines hohen Totholzanteils.

Im Jahr 1669 beschloss König Frederik 3., ein Waldgebiet nördlich von Kopenhagen einzzäunen und Jægersborg Dyrehave als privates königliches Jagdgebiet auszuweisen. Wild wurde in den Wildpark eingebracht; die Beweidung durch Rotwild und Damwild in den letzten 344 Jahren führte zu einem Landschaftsmosaik aus offenem Grasland und eingestreuten, verschiedenaltrigen Laubbaumgruppen. Heute besteht in Jægersborg Dyrehave ein 240 ha großes Laubwaldgebiet aus Eichen-und Buchenwäldern mit einer hohen Dichte von mehr als 300 Jahre alten Bäumen. 

Der Hirschkäfer ist historisch aus Jægersborg Dyrehave bekannt, wobei die letzten Nachweise jedoch 115 Jahre zurückliegen. Der Grund für das Aussterben des Hirschkäfers ist derzeit nicht bekannt, jedoch dürfte das Verschwinden der Art in der Waldbewirtschaftung bis 1926 begründet sein, die lange Zeit auf das Verbleiben von Totholz verzichtete. Wegen seiner langen Entwicklungsdauer ist der Hirschkäfer durch Holzeinschlag und das Beräumen von Totholz gefährdet. Entfernung von Totholz und Stubben sind wahrscheinlich der Hauptgrund, weshalb die Art in Jægersborg Dyrehave zurückging. 

Der Verlust von geeigneten Strukturen für die Larven führte wahrscheinlich zum lokalen Aussterben der Art. Die Annahme wird durch das Verschwinden weiterer seltener totholzbewohnender Arten wie Ampedus cinnabarinus, Ampedus rufipennis, und Ampedus praeustus im gleichen Zeitraum unterstützt. Die Veränderung der Waldbewirtschaftung seit 1926, einschließlich einer Bewahrung von stehendem und liegendem Totholz und Stubben, führte in den letzten 87 Jahren wieder zu einem sehr großen Totholzreservoir.

Durch das historische und das aktuelle Management bestehen heute in Jægersborg Dyrehave verschiedene Flächen, die die Habitatansprüche des Hirschkäfers erfüllen. Die Flächen A, B, C und 1 in Abbildung 1 sind Flächen mit lichtem Wald und hohem Aufkommen an Totholz und Althölzern. Fläche 1 beinhaltet den alten Eichen-Buchenwald Stampeskoven außerhalb des Wildparks. Die Oberste Naturschutzbehörde entschied, Fläche 1 in Verbindung mit der geplanten Wiederansiedlung des Hirschkäfers in den bestehenden Wildpark einzubeziehen. 

In allen potenziellen Ansiedlungsteilgebieten findet sich ein hoher Anteil an Totholz auf dem Waldboden, überwiegend in Form alter Stubben, stehendem und teilweise liegendem Totholz. Die Habitatstruktur in Jægersborg Dyrehave enthält alle für ein Hirschkäferhabitat erforderlichen Schlüsseleigenschaften, wie sie von früheren dänischen Vorkommen und aktuellen Vorkommensgebieten in Nordostdeutschland, Westpolen und Südschweden bekannt sind. Wildschweine, die wichtigsten Prädatoren von Hirschkäferlarven, gibt es in Jægersborg Dyrehave nicht. Jægersborg Dyrehave hat bereits heute eine Ausstattung mit verschiedenen totholzbewohnenden Käferarten, die oft mit dem Hirschkäfer vergesellschaftet sind, z. B. Ampedus cardinalis, Ampedus hjorti, Allecula rhenana, Strictoleptura scutellata, Ischnodes sanguinicollis und Prionus coriarius.

Es ist demzufolge wahrscheinlich, dass der Grund für das Aussterben des Hirschkäfers in Jægersborg Dyrehave inzwischen nicht mehr besteht und das Habitat für eine Wiederansiedlung gut geeignet ist. 

Vorbereitung der Wiederansiedlung

Im Mai 2013 fand eine intensive Begehung des Ansiedlungsgebietes Jægersborg Dyrehave statt. Der Altbaumbestand des Tiergartens weist eine bemerkenswert hohe Dichte an Totholz, insbesondere die für die erfolgreiche Reproduktion notwendigen Altstubben auf. Die Altbaumbereiche sind von Unterwuchs befreit worden und einige Saftschnitte sind an dafür geeigneten Baumstrukturen durchgeführt worden. Darüber hinaus wurden schon Meiler von der Forst angelegt, die die Eignung der einzelnen Bereiche noch erhöhen. Es wurden die geeigneten Bereiche des Ausbringens der Käfer auf ihre Qualität geprüft, konkrete Altstubben ausgewählt sowie die exakten Maßnahmen für jeden Bereich besprochen. Als weitere Maßnahme wurde insbesondere die weitere Lichtstellung für die Ansiedlung ausgewählter Stubben (v.a. Beseitigung von Buchen-Jungwuchs) mit dem zuständigen Förster vereinbart.

Des Weiteren wurden Volieren für die einzelnen Ansiedlungspunkte an den ausgewählten Standorten errichtet. Dafür wurden Kombinationen aus kräftigen Eichenstubben und direkt daran liegenden, mächtigen toten Stammstücken (Auflage auf, bzw. teilweise im dem Boden auf gesamter Länge) ausgewählt, die mit den Volieren komplett umhüllt wurden. Durch die Volieren war ein Schutz der freigesetzten Käfer gegenüber Prädatoren (Vögel; Wildschweine kommen auf der Insel nicht vor) gesichert. Gleichzeitig wirten die Volieren als eine Art „psychologische Sperre" gegenüber Besuchern. Somit waren gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsiedlung gegeben. 

Entnahme von Käfern in Deutschland

Die meisten Käfer wurden aktiv laufend an Baumstämmen oder am Boden gesammelt. Teilweise wurden Käfer direkt beim Schlüpfen aus dem Boden oder aber beim Eingraben zur Eiablage beobachtet und direkt entnommen. Im Vorfeld eines aufziehenden Gewitters gelang auch der Fang seht tief fliegender Käfer beider Geschlechter direkt aus der Luft ohne Kescher. Die Effektivität der Erfassung, korreliert mit der Flugaktivität der Imagines, war bei hohen Temperaturen in den späten Nachmittags- und frühen Abendstunden am höchsten.

Hirschkäfer wurden im Rahmen dieses Projektes an den Stubben und Stämmen folgender Baumarten gefunden: Trauben- und Stieleiche, Rotbuche, Kirsche. Das Aufsuchen von Saftstellen blutender Eichen konnte im Rahmen der Nachsuche nach den Käfern jedoch nur ausnahmsweise beobachtet werden. Ausnahme war gegen Ende der Flugsaison (Ende Juli) das Aufsuchen einer Saftstelle durch bis zu 6 Männchen gleichzeitig, verbunden mit Kämpfen untereinander sowie Kämpfen mit ebenfalls präsenten Heldböcken. 

Durch die Arbeit von HARVEY et al. (2011) ist die Lockwirkung verschiedener Substanzen auf die Hirschkäfer (mit teilweise unterschiedlichen Wirkungen auf die Geschlechter) beschrieben worden. Als sehr erfolgreich getestete Neuerungen kamen bei den genannten Untersuchungen bislang in diesem Zusammenhang noch nicht allgemein etablierte Lockmittel, wie Ingwer und Mango in Anwendung. In der Vergangenheit von Entomologen genutzte Ködersubstanzen wie Bier, Rotwein oder Fruchtsäfte bzw. -marmeladen erwiesen sich den Autoren zufolge als wenig erfolgreich.

Zur Entnahme von Imagines des Hirschkäfers war geplant, Lufteklektoren in Verbindung mit den Lockstoffen Ingwer und Mango zu verwenden. Dies wurde allerdings erfolglos getestet und wegen des hohen Aufwandes nicht weiter verfolgt. Weiterhin wurden in mehreren Entnahmegebieten sowohl pürierter Ingwer, als auch Mango-Fleisch an ausgewählte Stämme und Stubben gestrichen und in der Folge beobachtet.

Mit keiner der von HARVEY et al. (2011) getesteten Ködersubstanzen gelang eine Anlockung von Hirschkäfern im Gelände; die Köder wurden selbst von in der Umgebung fliegenden Käfern ignoriert. Die genauen Gründe für die Wirkungslosigkeit sind derzeit nicht bekannt und konnten im Rahmen des Projektes auch nicht explizit untersucht werden. Hier besteht für die Zukunft Forschungsbedarf. 

Bei der direkten Nachsuche nach besiedelten Stubben hat sich die Suche nach Wühlspuren von Wildschweinen als am effektivsten erwiesen. Wildschweine sind in der Lage, den Geruch der Hirschkäferlarven wahrzunehmen; allerdings graben sie auch nach anderen Käferlarven, die am gleichen Substrat leben (Maikäfer, Rosenkäfer, Sägebock).

Die Suche wurde durch subjektive Erfahrungswerte der Bearbeiter hinsichtlich Größe, Zersetzungszustand, Lage und Besonnung der Stubben verbessert, so dass im Laufe des Projektes ein zunehmend effizientes Arbeiten möglich war.
In Brandenburg wurden auch künstliche Strukturen abgesucht (Holzbauten im Wald, Holzbänke, Zaunpfähle, etc.). Dabei zeigte sich, dass sich Hirschkäferlarven selbst an schwachem und imprägniertem Holz, zum Teil unmittelbar unter den Strukturen in einer Tiefe von 1-2 cm entwickeln können. Dies deckt sich mit Erfahrungen aus dem Entnahmegebiet in Südschweden.

Familientypisches Kennzeichen der Larven aller Hirschkäferarten ist das Vorhandensein eines Stridulationsorgans auf der Rückseite der Hüfte der Mittelbeine und der Schenkel der Hinterbeine (KLAUSNITZER & SPRECHER-ÜBERSAX 2008). Durch Reiben werden Töne erzeugt, die vermutlich der Kommunikation (Einhalten einer gleichmäßigen Verteilung der Larven im Substrat) dienen.

Durch die Arbeit von HARVEY et al. (2011) sind spezifische Stridulationsmuster der Hirschkäferlarven bekannt. Die syntop vorkommenden Larven des Hirschkäfers (Lucanus cervus), des Gemeinen Rosenkäfers (Cetonia aurata) und des Balkenschröters (Dorcus parallelipip¬dus) stridulieren mit unterschiedlichen, voneinander unterschiedlichen Audio-Mustern.

Die genannten Autoren schlagen akustische Detektion als eine neue, nicht-invasive Erfassungs- und Monitoringmethode vor, die aber bislang nicht in größerem Maßstab getestet wurde.

Zum effektiven Auffinden von mit Hirschkäfern besiedelten Eichenstubben (Hirschkäferwiegen) wurde die akustische Erfassung mittels piezoelektrischen Wandlern sowie Minimikrofonen getestet. Hierbei wurde ein Recorder der Fa. Swissonic mit zwei parallelen Mikrofonen zur Aufnahme genutzt. Die erhaltenen Dateien wurden anschließend digital  weiterverarbeitet und die entstehenden Sonogramme ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass im Gelände keinerlei Tondaten, die den Hirschkäferlarven zuzuordnen waren, gewonnen werden konnten.

Während der Hälterung von Larven wurden lediglich in drei Einzelfällen Stridulationen beobachtet, die aus den Hälterungsboxen auch ohne verstärkende Technik hörbar waren. Es handelte sich dabei um Stridulationen von bis zu 10 Sekunden Länge mit Pausen von >30 Sekunden und einer Gesamtdauer von stets nur wenigen Minuten.

Die akustische Methode hat sich somit zumindest im vorliegenden Ansatz als unwirksam erwiesen. Aus den Beobachtungen ergeben sich folgende Fragen, von denen zumindest einige nach Möglichkeit in den kommenden Jahren untersucht werden sollen:

  • Unter welchen Bedingungen (z.B. zu hohe Dichte von Lucanus-Larven, Annäherung von Larven anderer Arten oder Prädatoren etc.) stridulieren die Larven überhaupt?
  • Wie selten oder häufig geschieht dies? Ermöglicht die Stridulationshäufigkeit überhaupt ein effizientes Monitoring?
  • Wie stark werden die Geräusche durch das umliegende Erdreich gedämpft? HARVEY et al. (2011) führten ihre Tests ausschließlich unter Laborbedingungen durch.
  • Welchen Einfluss hat die genaue Lokalisierung der Larven in Bezug auf den Stubben? Jüngere Larven graben sich oft oberflächlich in das Holz ein, ältere Larven sind außerhalb des Holzes zu finden (vor der Verpuppung oft weit abseits).
  • Welchen Einfluss hat die gewählte Technik?

Entnahme von Käfern in Deutschland

Basierend auf den durch die zuständigen Behörden erteilten artenschutzrechtlichen Genehmigungen wurden aus Deutschland nach Dänemark verbracht:

  • Sachsen-Anhalt: 2013: 44 Imagines und 74 Larven, 2014: (wird aktualisiert);
  • Brandenburg: 2013: 30 Imagines und 34 Larven, 2014 (wird aktualisiert). 

Hälterung und Transport der Tiere

Für die Wiederansiedlung war abzusichern, dass die in Dänemark freizusetzenden Weibchen in möglichst großer Zahl befruchtet sind. Dies wird auf drei alternativen Wegen sichergestellt:

  1. Gefangene Weibchen wurden in kleinen Netzkäfigen zusammen mit jeweils einem Männchen an Eichenstämmen mit Saftfluss ausgesetzt. Sofern die Weibchen bereits befruchtet waren und eine weitere Paarung nicht zuließen, wurden sie direkt in Transportboxen (Plastikboxen 5-10 Liter) gesetzt; andernfalls nach beobachteter Paarung. Die dafür eingesetzten Männchen wurden nach beobachteter Paarung auch wieder im Ursprungsgebiet in Deutschland freigesetzt.
  2. Ein Pärchen wurde in eine Plastikbox mit Substrat gesetzt. Dort war eine Paarung möglich, wobei das Substrat das Weibchen zur Eiablage animieren konnte. Nach beobachteter Paarung wurde das Männchen wieder im Spendergebiet ausgesetzt, um wechselseitige Beschädigungen zu vermeiden.
  3. Weibchen und ein kleinerer Teil (50%) Männchen wurden in separaten Plastikboxen nach Dänemark transportiert. Im Zielgebiet wurden mehrere Weibchen mit einem Männchen in kleinen Volieren ausgesetzt, wo ebenfalls noch eine Paarung stattfinden konnte.

Die Transportboxen für Käfer wurden mit einem Substratgemisch aus dem Spender- als auch dem Zielgebiet befüllt, so dass dort ggf. bereits eine Eiablage stattfinden konnte. Verluste unter den Käfern traten während der Transporte nicht auf.

Larven wurden zunächst nach Stadien (L2, L3) sortiert. Danach wurden sie in Plastikboxen mit einem Volumen von 0,5-1 Liter verbracht. Diese Boxen waren im Voraus mit einem Substratgemisch befüllt, welches sowohl aus dem Spender- als auch dem Zielgebiet stammte. Nach TOCHTERMANN (1997) und RINK (2006) liegt der monatliche Substratverbrauch einer erwachsenen Larve bei ~250 cm³, das gewählte Volumen der Boxen war somit ausreichend für den Transport. Zur Vermeidung eventueller gegenseitiger Beeinträchtigungen wurde jede Larve einzeln gehalten.

Der Transport von Käfern und Larven erfolgte in den o.g. Transportboxen in kühler Umgebung per Auto zum Ansiedlungsgebiet in Dänemark direkt nach der Entnahme, um die Zeit der Tiere in den Boxen gering zu halten. Ergänzend zu den eigenen Erfahrungen ist zu erwähnen, dass die polnischen Kollegen bei einem parallelen Transport von Imagines von Polen nach Dänemark eine andere Methode einsetzten: hier wurden die Käfer in enge Plastikröhrchen gesteckt, so dass sie sich während des Transportes nicht bewegen konnten. Durch die nicht mögliche Aktivität der Käfer wurde der Energieverbrauch der Tiere sehr stark reduziert. Auch bei dieser Transportmethode erreichten alle Imagines lebend das Ziel. Wieweit sich die beiden Methoden hinsichtlich der Fitness der transportierten Käfer unterscheiden, muss jedoch Gegenstand ei¬ner wissenschaftlichen Untersuchung bleiben.

Ausbringen und Betreuung der Käfer und Larven in Dänemark

Um einzelne sorgfältig ausgewählte, sonnenexponierte alte Stubben und am Boden liegende tote Stämme wurden in Jægersborg Dyrehave jeweils Volieren gebaut, in denen Käfer (jeweils Männchen und Weibchen) freigesetzt wurden. Die Volieren dienen dem Schutz der Käfer während Paarung und Eiablage gegen ein mögliches Prädationsrisiko durch Vögel (insbesondere Krähen und Eichelhäher). Insgesamt wurden 5 Volieren gebaut (3 für Käfer aus Deutschland, je eine für Käfer aus Schweden und Polen).

Das Substrat aus den Transportboxen wurde in den Boden an Wurzeln oder teils in die Erde eingebetteten liegenden Stämmen eingegraben, da die Weibchen möglicherweise schon beim Transport Eier in das Substrat abgelegt hatten. Im direkten Umfeld alter, teilweise verrotteter und sonnenexponierter Stubben wurden die anzusiedelnden Larven teils in vorbereitetes Substrat, teils in den vorhandenen Boden eingegraben. Im Wurzelbereich jedes Stubbens wurden 20-40 Larven verschiedener Stadien ausgebracht, womit keine Überbesiedlung erfolgt.

Den freigesetzten Käfer wurde in den Volieren Futter (aufgeschnittene Wassermelone und Nektarinen) angeboten, dies wurde von den Käfern in großen Umfang angenommen. Prinzipiell soll die Aussetzung der Hirschkäfer nicht im Sinne einer „Zootierhaltung" erfolgen, im ersten Aussetzungsjahr wurde jedoch auch durch das Füttern versucht, den Käfern einen bestmöglichen Start zu ermöglichen. Teilweise paarten sich die Käfer direkt auf dem Futter. 

Erste Beobachtungen im Ansiedlungsgebiet 2013

Die freigesetzten Hirschkäfer verhielten sich in den Volieren wie erwartet. Es wurden sowohl Nahrungsaufnahme an den angebotenen Früchten, als auch Kämpfe zwischen Männchen sowie Paarungen beobachtet. Im Laufe des Sommers 2013 waren an Stubben und Stämmen zahlreiche Grabelöcher zu finden, in die die Weibchen sich eingegraben hatten. Verluste durch Prädatoren konnten in den Volieren nicht eintreten. Tot aufgefundene Käfer wurden eingesammelt und der noch ausstehenden genetischen Untersuchung zugeführt.

Teilweise wurden Käfer (meist Männchen) beobachtet, die sich offenbar mit ihren Krallen in der Gaze verhakt hatten. Diese wurden dann in die Voliere zurückgesetzt. Da jedoch in keinem Fall tote Tiere an der Gaze zu finden waren, wird angenommen, dass die Käfer sich in einem solchen Fall auch selbst befreien konnten.

Die Überwachung der Volieren wird 2014 und in den Folgejahren fortgesetzt.

Begleitende Öffentlichkeitsarbeit

Die Wiederansiedlung des Hirschkäfers war in Dänemark von Anfang an (seit dem Parlamentsbeschluss) von einem nicht unerheblichen, positiven Medienecho begleitet. Da das Gebiet Jægersborg-Dyrehave das wichtigste Erholungsgebiet für die Stadt Kopenhagen darstellt und somit eine Ansiedlung „im Geheimen" ausgeschlossen war, erfolgte vom Dänischen Umweltministerium (Naturstyrelsen) von Anfang an eine relativ offensive Information. Bereits beim Bau der Volieren wurden Informationsschilder installiert, die die Besucher über das Vorhaben informierten. 

Naturstyrelsen informierte seit Mai 2013 auf seiner Internetseite über das Projekt (http://www.naturstyrelsen.dk/Nyheder/2013/Eghjorten_kommer.htm). Am 11. Juni 2013 wurden öffentlichkeitswirksam erste Hirschkäfer durch die Dänische Umweltministerin PIA OLSEN DYHR freigesetzt. Ein kurzes Video des Dänischen Umweltministeriums von diesem Termin ist im Internet unter http://www.youtube.com/watch?v=LUXHk5nZ_f4&feature=youtu.be zu sehen.
Durch eine Presseerklärung des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt vom 17.07.2013 wurde schließlich auch ein erkennbares positives Presseecho in Deutschland ausgelöst. 

Im Juni 2014 erfolgte eine erneute medienbegleitete Freisetzung von Hirschkäfern durch die Dänische Umwelministerin.

Wie geht es nun weiter?

Alle Tätigkeiten bei der Wiederansiedlung des Hirschkäfers wurden durch Biologen ausgeführt und überwacht, die über Erfahrungen im Umgang mit Hirschkäfer und ihren Larven sowie Kenntnisse in den ökologischen Anforderungen des Hirschkäfers verfügen. Die beteiligten Experten übernahmen die Sammlung der Käfer und Larven in den Spendergebieten und begleiteten die Freisetzung in Dänemark, um einen bestmöglichen Erfolg und Erfahrungsaustausch zu gewährleisten.

2014 wird – finanziert durch die Oberste Naturschutzbehörde (Naturstyrelsen) – das erwartete Erscheinen von Hirschkäfern, die 2013 als Larven ausgesetzt wurden, von Fachleuten überwacht. Dieses erste Monitoringjahr dient gleichzeitig als Pilotprojekt für das Design künftiger Monitoringprogramme. Dieses Monitoring wird durch die dänische Firma Amphi Consult, unterstützt durch die Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft LUCANUS durchgeführt. Ab 2015 wird das dänische Monitoringprogramm zur Erfüllung der Berichtspflicht zum Erhaltungsstatus der Habitate und Arten der FFH-Richtlinie und Vogelschutzrichtlinie (NOVANA) überarbeitet; in diesem Zusammenhang wird ein spezielles Monitoringprogramm für den Hirschkäfer geschaffen. Dieses wird von Naturstyrelsen finanziert.

Internationale Zusammenarbeit

Realisiert wurde das Projekt im Auftrag des Dänischen Umweltministeriums (Naturstyrelsen) durch folgende Projektpartner:

  • Amphi Consult, Odense (Hauptauftragnehmer), Marzenna Rasmussen, Niels Damm, Lars Iversen (im Internet: hier...)
  • StegnerPlan, Bad Düben (Auftragnehmer D), Dr. Jan Stegner, Sebastian Gabler (hier...)
  • BIOM, Jänschwalde (Auftragnehmer D), Thomas Martschei, Uwe Rexin (hier...)
  • Bunat, Schönebeck (Mitarbeit D), Dr. Werner Malchau
  • Länsstyrelsen Kalmar Län (Projektpartner SE), Jonas Hedin PhD, Tommy Ek
  • Instytut Badawczy Lesnictwa, Warschau (Projektpartner PL), Jacek Hilszczanski